Das Schulprogramm der Marienschule

Die konkrete Umsetzung der im Leitbild formulierten Ziele in ein Schulprogramm hat die Lebenswelt zu berücksichtigen, in der der Heranwachsende herausgefordert ist, eine eigenständige und kritikfähige Persönlichkeit zu entwickeln, so dass sein Leben als Individuum und als aktives Mitglied der Gesellschaft gelingen kann.

Diese Lebenswelt ist wesentlich geprägt von folgenden Merkmalen:

– Individualisierung und Pluralisierung
– Globalisierung
– Medialisierung

INDIVIDUALISIERUNG UND PLURALISIERUNG

Individualisierung kennzeichnet eine Entwicklung in der Gesellschaft, in der sich die Menschen aus tradierten Bindungen -seien es Werte oder Formen gemeinschaftlichen Lebens – lösen und neue Bindungen und Sicherheit suchen. Konfrontiert werden sie dabei mit einer Vielzahl von Erlebnis- und Erfahrungsbezügen, die für junge Menschen nicht immer stimmig sind.
Die Zahl konkurrierender Angebote an Lebensentwürfen nimmt zu, die durch höchst unterschiedliche Werte, Normen und Rollen gekennzeichnet sind. In dieser Konkurrenzsituation sehen sich auch weltanschauliche und religiöse Werte, die einem dem christlichen Welt- und Menschenbild verpflichtenden Konzept zugrunde liegen. Insbesondere an neuen Formen von Lebensgemeinschaften, die auch ihrer rechtlichen From nach neben die traditionelle Familie treten, wird diese Entwicklung deutlich.

GLOBALISIERUNG

Der Raum, in dem sich Jugendliche zu orienti eren haben, wird der eines größer werdenden Europas oder ein globaler sein. Multikulturelle Erfahrungen ermöglichen es, eigene Ideen und Standpunkte zu überdenken und durch neue zu ergänzen und anzureichern. Globalisierung wird erlebt als ambivalente Entwicklung, an die sich Chancen und Möglichkeiten wie auch Ängste und Befürchtungen knüpfen.

 

MEDIALISIERUNG

Das Internet und die mit ihm zusammenhängenden Kommunikationsmittel revolutionieren Wirtschafts- und Privatleben in einer bislang nie da gewesenen Geschwindigkeit. Aktuelles Wissen altert zunehmend schneller. Menschen können überall auf der Welt zu jdedem Zeitpunkt und unmittelbar über Ereignisse informiert werden, die sich irgendwo auf dem Globus ereignen. Die weltweite Vernetzung computergestützter Kommunikationswege lässt virtuelle Welten und virtuelle Gemeinschaften entstehen. Insbesondere junge Menschen bewegen sich in diesen Welten gekonnt und vielfach unbekümmert, manchmal auch ohne die notwendige Sensibilität für die Gefahren dieser Kommunikationswege.

In der Folge entstehen viele Wirklichkeiten, die miteinander konkurrieren und sich oft überlagern.

PERSPEKTIVEN: GERECHTIGKEIT – FRIEDEN – BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG

Entwickelt man aus dieser Bestandsaufnahme Perspektiven für junge Menschen, so bieten sich folgende Ausgangspunkte an:

Werden ethische Normen und Werte in ihrer absoluten Verbindlichkeit in Frage gestellt, erwächst daraus eine Ambivalenz, die einerseits Toleranz gegenüber anderen Lebensentwürfen und den damit verbundenen Wertvorstellungen zeigt, andererseits aber eine Wertebeliebigkeit provoziert.
Eine vorrangige Verfolgung von Einzelinteressen birgt die Gefahreiner Gesellschaft ohne Gemeinschaftsverantwortung und soziales Engagement. Die einzelne Person nimmt für sich und ihr Verhalten Autonomie in Anspruch, erwartet aber in Krisensituationen die Unterstützung der Gesellschaft. Eine solche Einstellung verkennt die Sozialnatur des Menschen und verhindert den Aufbau einer humanen Gesellschaft, in der Solidarität ein Grundwert ist.
Die ständig zunehmende Globalisierung wirtschaflticher und politischer Bezüge macht Verhaltensänderungen in unserem Zusammenleben erforderlich. Die Übernahme nachhaltiger Verantwortung für die Schöpfung und die Schaffung einer Atmosphäre des friedlichen Miteinanders und der Gerechtigkeit sind unverzichtbar.

Diese Aufgaben verpflichten unser individuelles Handeln in Familie, Schule, Kirche und Gesellschaft.

AUFGABEN FÜR ERZIEHUNG, UNTERRICHT UND SCHULE

Ausgehend von den dargelegten Grundzügen des christlichen Menschenbildes und unter Berücksichtigung der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern ergibt sich als Schwerpunkt künftiger pädagogischer Arbeit, an der Marienschule eine Atmosphäre von Nähe und Geborgenheit zu schaffen und die Entwicklung wichtiger menschlicher Grundhaltungen zu fördern, so z. B.

–    Mut zur Wahrhaftigkeit und Offenheit
–    Toleranz und Rücksichtnahme
–    Akzeptieren von Stärken und Schwächen
–    Selbstbewusstsein und Selbstkritik
–    Akzeptieren von Regeln
–    Konfliktfähigkeit sowie die Bereitschaft und Fähigkeit zur Konfliktregelung
–    Zivilcourage
–    ökologisches Bewusstsein
–    Solidarität in der Einen Welt
–    Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung in Gesellschaft, Kirche, Politik und Wirtschaft.

Diesen Aufgaben stellen wir uns, indem wir besondere pädagogische und soziale Schwerpunkte setzen.